Klimaneutralität
Realismus

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Amtsblatt 18/2026
Realistische Klimapolitik
Die CDU-Fraktion bekennt sich zum Ziel der Klimaneutralität. Doch verantwortungsvolle Politik bedeutet auch, Ziele regelmäßig an der Realität zu messen. Angesichts der dramatischen Haushaltslage der Landeshauptstadt Stuttgart und der praktisch nicht mehr erreichbaren Klimaneutralität bis 2035 braucht es eine ehrliche Neubewertung der Prioritäten. Es geht nicht darum, Klimaschutz aufzugeben, sondern die knappen finanziellen Mittel dort einzusetzen, wo sie den größten Nutzen für die Menschen entfalten.
Die außergewöhnlich heißen Wochen dieses Jahres haben gezeigt, dass die Folgen des Klimawandels längst in Stuttgart angekommen sind. Deshalb muss künftig stärker in Klimaanpassung investiert werden. Mehr Stadtbäume, Trinkbrunnen, Verschattung, blaue Infrastruktur und die kontinuierliche Klimatisierung städtischer Liegenschaften – beginnend bei Einrichtungen für besonders vulnerable Gruppen – verbessern die Lebensqualität unmittelbar. Diese Maßnahmen kommen den Bürgern direkt zugute.
Gleichzeitig müssen wir uns ehrlich machen: Der Klimawandel macht nicht an der Stadtgrenze halt. Selbst wenn Stuttgart morgen keine CO₂-Emissionen mehr verursachen würde, träfen uns dieselben Hitzewellen und Extremwetterereignisse. Das ist kein Argument gegen Klimaschutz, sondern für einen verantwortungsvollen Mitteleinsatz. Kommunale Klimaschutzmaßnahmen leisten ihren Beitrag, ihr Einfluss auf das Weltklima bleibt jedoch naturgemäß extrem gering. Umso wichtiger ist es, die Menschen bestmöglich auf die Folgen des Klimawandels vorzubereiten.
In Zeiten leerer Kassen darf es kein kommunales Gold-Plating geben. Stuttgart muss nicht ambitionierter sein als Europäische Union, Bund oder Land. Selbst Ministerpräsident Cem Özdemir hat jüngst Zweifel geäußert, dass Baden-Württemberg die Klimaneutralität bis 2040 erreichen kann – obwohl dieses Ziel bereits fünf Jahre später liegt als in Stuttgart und zugleich fünf beziehungsweise zehn Jahre vor den Zielmarken von Bund und EU.
Es geht deshalb nicht um ein Weniger an Verantwortung, sondern um ein Mehr an Vernunft. Die begrenzten Mittel müssen dort eingesetzt werden, wo sie die größte Wirkung entfalten. Eine Politik, die realistische Ziele verfolgt und spürbare Verbesserungen schafft, stärkt das Vertrauen der Menschen. Gerade jetzt braucht Stuttgart Pragmatismus statt Wunschdenken.
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