Digitale Bildung
Tabletnutzung

Credits Bild: Mit Hilfe von KI erstellt
Antrag: Digitale Bildung kindgerecht gestalten: Wirkung prüfen – Qualität in Schulen und Kitas sichern
Die Diskussion um die Digitalisierung unserer Bildungs- und Betreuungseinrichtungen hat in den vergangenen Jahren deutlich an Dynamik gewonnen. Auch in Stuttgart wurde die digitale Ausstattung der Schüler mit großem Engagement vorangetrieben. Zwischen Land und Kommune bestanden dabei zeitweise unterschiedliche Auffassungen über Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten. Gleichwohl hat die Landeshauptstadt letztlich Verantwortung übernommen und die Ausstattung der Schulen mit Tablets sichergestellt. Damit wurde nicht nur organisatorisch gehandelt, sondern eine weitreichende bildungs- und jugendpolitische Weichenstellung vorgenommen, die die Lernumgebung unserer Kinder nachhaltig prägt.
Nach unseren Informationen kommen digitale Endgeräte inzwischen auch in Kindertageseinrichtungen zum Einsatz. Gerade im frühkindlichen Bereich stellt sich jedoch in besonderem Maße die Frage nach Entwicklungsangemessenheit, Dauer, Intensität und pädagogischer Einbettung digitaler Medien.
Gerade weil die Stadt in erheblichem Umfang Verantwortung übernommen und die Digitalisierung aktiv gestaltet hat, ist sie nun auch gefordert, die Auswirkungen dieser Entscheidung regelmäßig und kritisch zu überprüfen. Nach der Phase des konsequenten Ausbaus digitaler Infrastruktur geht es darum, ein ausgewogenes und pädagogisch tragfähiges Mittelmaß zu finden. Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Richtig eingesetzt kann sie Unterricht bereichern, individuelle Förderung unterstützen und Medienkompetenz stärken. Entscheidend ist jedoch, dass digitale Werkzeuge didaktisch sinnvoll eingebunden werden und bewährte Lernformen nicht verdrängen, sondern ergänzen.
Vor dem Hintergrund aktueller wissenschaftlicher Debatten – etwa der kritischen Hinweise des Bildungsforschers Klaus Zierer, der vor einem „Digitalisierungszwang“ warnt – stellt sich die Frage, wie die Balance zwischen digitalen und analogen Lernformen konkret ausgestaltet wird. Studien verweisen darauf, dass handschriftliches Schreiben zentrale kognitive Prozesse aktiviert, die Gedächtnisleistung stärkt und positive Effekte auf Sprachentwicklung sowie Feinmotorik hat. Gerade bei jüngeren Kindern spielt die haptische Erfahrung von Papier, Stift sowie konkreten Materialien eine wichtige Rolle für die motorische, sprachliche und neurologische Entwicklung. Im frühkindlichen Bereich sind darüber hinaus freie Bewegung, soziale Interaktion und unmittelbare Sinneserfahrungen zentrale Bausteine gesunder Entwicklung.
Gleichzeitig wird international verstärkt über mögliche Begleiterscheinungen intensiver Bildschirmnutzung diskutiert, darunter Konzentrationsprobleme, erhöhte Ablenkbarkeit, Auswirkungen auf Schlafverhalten sowie auf die soziale Interaktion. Einige Länder, die lange als Vorreiter digitaler Bildung galten, justieren ihre Strategien inzwischen nach und betonen wieder stärker die Bedeutung gedruckter Lernmittel, der pädagogischen Führung durch Lehrer sowie einer altersangemessenen Zurückhaltung im frühkindlichen Bereich.
Als CDU-Gemeinderatsfraktion halten wir es daher für geboten, die Auswirkungen der Tabletnutzung sowohl an Schulen als auch in Kindertageseinrichtungen sachlich, wissenschaftlich fundiert und ohne ideologische Vorfestlegung zu evaluieren. Wer Verantwortung für die digitale Ausstattung übernimmt, trägt auch Verantwortung für deren pädagogische, entwicklungsbezogene und gesundheitliche Folgen. Nach der Phase der Investition und Implementierung muss nun die Phase der qualitativen Bewertung folgen.
Unser Ziel ist weder eine unkritische Fortschrittsgläubigkeit noch eine Rückkehr in eine rein analoge Vergangenheit. Vielmehr geht es um eine verantwortungsvolle, kindgerechte und wissenschaftlich fundierte Bildungs- und Jugendpolitik auf kommunaler Ebene. Wenn die Landeshauptstadt Verantwortung übernimmt und die Digitalisierung maßgeblich vorantreibt, dann gehört es auch zu dieser Verantwortung, Wirkung, Nutzen und mögliche Risiken kontinuierlich zu überprüfen und gegebenenfalls nachzusteuern.
Wir beantragen im Jugendhilfeausschuss einen Bericht der Verwaltung zu folgenden Punkten:
1.) Auf welche wissenschaftlichen Erkenntnisse und konkreten Evaluationen stützt sich die bisherige Strategie der flächendeckenden Tablet-Ausstattung an Stuttgarter Schulen sowie der Einsatz digitaler Endgeräte in städtischen Kindertageseinrichtungen, und wie bewertet die Verwaltung vor dem Hintergrund aktueller nationaler und internationaler Forschung die Auswirkungen intensiver Bildschirmnutzung auf Lernleistung, Konzentrationsfähigkeit, psychosoziale Entwicklung sowie grundlegende Kompetenzen wie Handschrift, Feinmotorik, Sprachentwicklung und Leseverständnis?
2.) Welche belastbaren Erkenntnisse liegen der Verwaltung zur tatsächlichen Nutzung der Tablets im schulischen Unterricht sowie im pädagogischen Alltag von Kindertageseinrichtungen vor – insbesondere hinsichtlich Umfang, Intensität und Altersbezug der Bildschirmzeiten – und welche Rückmeldungen bestehen aus Schulen, Kindertageseinrichtungen, von Eltern, der Schulsozialarbeit, der Kita-Fachberatung sowie schulpsychologischen und entwicklungspsychologischen Diensten zu Lernverhalten, Motivation, Sozialverhalten und möglichen gesundheitlichen Auswirkungen?
3.) Wie wird derzeit konzeptionell und pädagogisch sichergestellt, dass Tablets und andere digitale Endgeräte an Stuttgarter Schulen und in Kindertageseinrichtungen didaktisch sinnvoll, entwicklungsangemessen und ergänzend – nicht ersetzend – eingesetzt werden, und welche konkreten fachlichen Handlungsempfehlungen ergeben sich aus Sicht der Verwaltung für eine Weiterentwicklung dieser pädagogisch ausgewogenen Nutzung?
Antragssteller: Isabelle Weichselgartner / Dr. Klaus Nopper / Anita von Brühl
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