Smartphones
Handlungsbedarf
Antrag: Smartphones im Schulalltag – Herausforderungen und Lösungsansätze
Ein Alltag ohne Smartphones erscheint in der heutigen Zeit kaum noch vorstellbar. Bereits im Kindesalter wird zunehmend Zeit mit digitalen Endgeräten verbracht. Besonders auf Schulhöfen ist ein einheitliches Bild zu beobachten: Schülerinnen und Schüler versammeln sich zwar in Gruppen, doch ihre Aufmerksamkeit bleibt oft auf das Display ihres Smartphones gerichtet.
Diese Entwicklung bringt erhebliche Herausforderungen mit sich, insbesondere im Hinblick auf soziale Interaktionen. Wichtige soziale Kompetenzen wie nonverbale Kommunikation und Konfliktlösungsstrategien werden zunehmend vernachlässigt oder gar verlernt. Darüber hinaus birgt die exzessive Nutzung von Smartphones ein erhebliches Suchtpotenzial. Studien belegen negative Auswirkungen auf Konzentrationsfähigkeit, Schlafverhalten und psychisches Wohlbefinden. Ein weiteres gravierendes Problem stellt das Cybermobbing dar, das durch die permanente Erreichbarkeit und die Dynamik sozialer Medien schwer einzudämmen ist. Zudem stellt der Datenschutz eine wachsende Herausforderung dar, da das unbefugte Fotografieren und Verbreiten von Bildern an Schulen stark zugenommen hat.
Reaktionen der Schulen auf die Problematik
Angesichts dieser Herausforderungen haben nahezu alle Stuttgarter Schulen Regelungen zur Handynutzung eingeführt. An einigen Schulen, wie dem Dillmann-Gymnasium, wurde sogar ein vollständiges Handyverbot erlassen. Einige Bildungseinrichtungen setzen zudem auf sogenannte "Handygaragen", in denen Schülerinnen und Schüler ihre Geräte zu Unterrichtsbeginn in verschlossenen Fächern ablegen und erst nach Unterrichtsende wieder in Empfang nehmen können.
Erfahrungen zeigen, dass ein konsequentes Handyverbot überraschend problemlos umgesetzt werden kann. Der Schulleiter des Dillmann-Gymnasiums äußerte sich erstaunt darüber, wie reibungslos die Umsetzung erfolgte und wie breit die Maßnahme von Lehrkräften, Eltern sowie Schülerinnen und Schülern akzeptiert wurde. Interessanterweise wurde das Verbot in der Schulkonferenz, in der die Schülerschaft mit einem Drittel der Stimmen vertreten ist, sogar einstimmig beschlossen.
Leistungsbewertung und Künstliche Intelligenz
Ein weiteres relevantes Thema ist die Bewertung von Schülerleistungen unter Berücksichtigung neuer technologischer Entwicklungen. Insbesondere die Nutzung von Anwendungen mit künstlicher Intelligenz stellt Schulen vor neue Herausforderungen. In vielen europäischen Ländern tendiert man daher zu strengen Handynutzungsregeln und setzt bei Klassenarbeiten verstärkt auf klassische Schreibmaterialien wie Papier und Füllfederhalter, um ein unverfälschtes Bild der individuellen Leistungsfähigkeit zu erhalten. Auch Stuttgarter Schulleitungen sehen in der Nutzung digitaler Hilfsmittel eine zunehmende Problematik für eine objektive Leistungsbewertung.
Stärkung der Medienkompetenz als zentrale Forderung
Im Gespräch mit Stuttgarter Schulen wird von Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern sowie Eltern immer wieder der Wunsch nach einer verstärkten Medienbildung geäußert. Der verantwortungsvolle Umgang mit Smartphones, Tablets und weiteren digitalen Medien sollte gezielt im Unterricht gefördert werden, idealerweise durch die Einführung eines eigenen Unterrichtsfachs. Die Digitalisierung der Schulen muss in diesem Kontext konsequent weiterverfolgt werden, da vielerorts noch nicht die erforderliche technische Infrastruktur zur Verfügung steht.
Besonders betont wird dabei die Vorbildfunktion der Erwachsenen. Wer morgens in den öffentlichen Nahverkehr schaut, sieht kaum jemanden, der nicht auf sein Smartphone fixiert ist. Medienkompetenz muss daher nicht nur in Schulen, sondern auch in der breiten Gesellschaft gestärkt werden.
Handlungsbedarf aus Sicht der CDU-Fraktion
Die CDU-Fraktion sieht Handlungsbedarf hinsichtlich der Medienkompetenz an Schulen, insbesondere in Bezug auf den Einsatz digitaler Endgeräte im Schulalltag sowie die Einbindung entsprechender Inhalte in die Lehrpläne.
In diesem Zusammenhang bietet das geplante „Haus für Film und Medien“, das in Stuttgart auf dem Gelände des ehemaligen Breuninger-Parkhauses entstehen wird, eine vielversprechende Möglichkeit. Diese Einrichtung könnte eine zentrale Rolle bei der Vermittlung von Medienkompetenz spielen – insbesondere für Schulen, aber auch für Erwachsene. Ein bewusster und reflektierter Umgang mit digitalen Medien ist essenziell, um langfristig einen verantwortungsvollen Gebrauch von Smartphones und ähnlichen Geräten zu fördern.
Darüber hinaus sollte die Landeshauptstadt den Dialog mit der Landesregierung bzw. dem Kultusministerium suchen, um zu klären, mit welchen pädagogischen Konzepten und Lehrplananpassungen der zunehmenden Problematik der digitalen Mediennutzung im Schulalltag begegnet werden kann.
Die CDU-Fraktion beantragt, dass die Stadtverwaltung im Jugendhilfeausschuss zu folgenden Fragestellungen bis spätestens vor den Doppelhaushaltsberatungen berichtet:
1.) Wie bewertet das zuständige Referat für Jugend und Bildung die Problematik der Handynutzung an Stuttgarter Schulen? Gibt es städtische Programme zur Medienkompetenzförderung bei Schülerinnen und Schülern, und wie schätzt die Fachverwaltung deren Erfolg ein?
2.) Wie gestalten sich die aktuellen Lehrpläne des Landes im Schulbereich in Bezug auf die Nutzung von Smartphones? Welche pädagogischen Konzepte sind vorgesehen, um den beschriebenen Herausforderungen zu begegnen? Gibt es Planungen, die Medienbildung stärker in die Lehrpläne zu integrieren?
3.) Wie weit ist der Ausbau der digitalen Ausstattung an Stuttgarter Schulen fortgeschritten? Wann wird jedem Schüler ein technisch zeitgemäßes digitales Endgerät zur Verfügung stehen, um eine einheitliche Medienbildung im Unterricht zu gewährleisten? Wie ist der aktuelle Stand der WLAN-Infrastruktur an Schulen, und gibt es weiteren Mittelbedarf für die digitale Ausstattung?
4.) Welche Rolle spielen freie Träger aktuell in der Medienbildung für Schülerinnen und Schüler? Welche bestehenden Angebote gibt es und wie könnten freie Träger künftig stärker eingebunden werden? Mit welchem Ressourcenaufwand wäre hierbei zu rechnen?
Zusätzlich beantragen wir eine gemeinsame Sitzung des Jugendhilfeausschusses und des Ausschusses für Kultur und Medien zu folgendem Punkt:
Die Stadtverwaltung stellt das pädagogische Konzept des Hauses für Film und Medien im Bereich Medienbildung in seiner Gesamtheit – nach dem aktuellen Planungsstand – vor und erläutert, welche spezifischen Angebote zur Förderung der Medienkompetenz für Schulen und Erwachsene geplant sind – insbesondere im Bereich des verantwortungsvollen Umgangs mit Smartphones und anderen digitalen Endgeräten.
Antragssteller: Isabelle Weichselgartner / Dr. Klaus Nopper / Nicole Porsch / Jürgen Sauer
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